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US-Immobilienmarkt: Warum ich regelmäßig in die USA reise

  • Autorenbild: BMichel
    BMichel
  • 27. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn in Deutschland über die USA berichtet wird, dominieren häufig politische Schlagzeilen, wirtschaftliche Unsicherheiten oder Diskussionen über den Immobilienmarkt. Gerade in den vergangenen Jahren entstand vielerorts der Eindruck, dass sich Investitionen in den USA zunehmend schwieriger entwickeln.

Doch reichen Schlagzeilen aus, um einen Markt wirklich beurteilen zu können?


Ich meine: nein.


Deshalb reise ich seit vielen Jahren regelmäßig in die Vereinigten Staaten. Nicht, weil sich Entwicklungen dort besser vorhersagen lassen. Sondern weil ich überzeugt bin, dass verantwortungsvolle Finanzberatung mehr bedeutet, als Zahlen und Berichte auszuwerten. Wer Märkte verstehen möchte, sollte sie auch erleben.


Skyline von Miami mit modernen Wohn- und Bürogebäuden – Eindrücke vom US-Immobilienmarkt während einer Reise durch Florida.
Skyline von Miami

Märkte versteht man nicht ausschließlich am Schreibtisch

Seit 1995 begleite ich Anleger bei Investitionen in US-Immobilienfonds. Bereits seit 1998 gehören regelmäßige Reisen in die USA zu meiner Arbeit. Dabei geht es nicht nur um Termine mit langjährigen Produktpartnern oder den Besuch einzelner Projekte.

Mindestens genauso wichtig sind für mich die Eindrücke vor Ort.

  • Wie entwickelt sich eine Region?

  • Welche Themen beschäftigen Unternehmen?

  • Wie erleben die Menschen ihren Alltag?

  • Welche Stimmung herrscht am Markt?

All diese Faktoren lassen sich nur bedingt aus Statistiken oder Quartalsberichten ableiten. Sie ergeben sich aus Beobachtungen, Gesprächen und dem direkten Erleben.


Innovation ist keine Vision, sondern Alltag

Eine Beobachtung hat mich auch diesmal wieder beeindruckt: die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien in den Alltag integriert werden.

In Atlanta und Miami sind autonome Taxis längst keine Besonderheit mehr. Zugegeben, die erste Fahrt in einem Fahrzeug ohne Fahrer fühlt sich zunächst ungewohnt an. Doch nach kurzer Zeit wird deutlich, wie selbstverständlich diese Technologie bereits genutzt wird.


Autonomer Lieferroboter in Miami – Beispiel für Innovation und Digitalisierung während einer Reise durch die USA.
Uber Eats - autonomer Lieferroboter

Ähnlich verhält es sich bei Lieferdiensten. In einigen Stadtteilen bringen kleine autonome Roboter Bestellungen bis vor die Haustür: ein Anblick, der in Deutschland noch außergewöhnlich wirkt, dort jedoch bereits Teil des Alltags ist.


Diese Beispiele stehen stellvertretend für eine Kultur, die Innovationen schnell aufgreift und bereit ist, neue Technologien praktisch einzusetzen. Genau diese Offenheit ist aus meiner Sicht ein wichtiger Grund dafür, warum die USA in vielen Zukunftsbranchen eine führende Rolle einnehmen.




Wirtschaftliche Dynamik entsteht nicht zufällig

Meine Reise führte mich durch Georgia und Florida – zwei Bundesstaaten, die seit Jahren zu den wirtschaftlich dynamischsten Regionen der USA zählen. Besonders in Atlanta und Miami war diese Entwicklung deutlich spürbar. Die Innenstädte waren belebt, Restaurants gut besucht und vielerorts entstand der Eindruck einer aktiven und wachsenden Wirtschaft. Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgte während meines Aufenthalts sicherlich zusätzlich für Besucher, dennoch war die wirtschaftliche Dynamik weit über dieses Ereignis hinaus erkennbar.


Ein wesentlicher Grund dafür ist der anhaltende Bevölkerungszuzug. Viele Menschen und Unternehmen verlagern ihren Lebensmittelpunkt in den Südosten der USA. Wo Menschen hinziehen, entstehen Arbeitsplätze, werden Wohnungen benötigt und Infrastruktur ausgebaut. Diese langfristigen Entwicklungen sind häufig aussagekräftiger als kurzfristige Marktbewegungen.


Was ich über den US-Immobilienmarkt mitgenommen habe

Natürlich standen während meiner Reise auch Gespräche mit langjährigen Produktpartnern und Marktteilnehmern auf dem Programm. Dabei wurde eines sehr deutlich: Der US-Immobilienmarkt befindet sich weiterhin in einer anspruchsvollen Phase. Die deutlich gestiegenen Finanzierungskosten wirken sich nach wie vor auf viele Projekte aus. Höhere Zinsbelastungen führen dazu, dass ein größerer Teil der laufenden Erträge für Zins- und Tilgungsleistungen verwendet werden muss. Dies kann dazu führen, dass Ausschüttungen einzelner Immobilienfonds vorübergehend geringer ausfallen oder zeitweise entfallen.


Gleichzeitig habe ich aber auch Entwicklungen wahrgenommen, die in der öffentlichen Diskussion häufig weniger Beachtung finden. So findet derzeit kaum Neubautätigkeit im US-Gewerbeimmobilienmarkt statt. Langfristig kann ein geringeres Angebot dazu beitragen, dass sich das Marktgleichgewicht wieder verbessert, sobald Investitionen und Nachfrage anziehen.


Auch international mehren sich erste Signale einer Stabilisierung. So erklärte beispielsweise der weltweit tätige Vermögensverwalter Blackstone Anfang 2025, dass der stärkste Einbruch am US-Büroimmobilienmarkt aus seiner Sicht überwunden sein könnte. Nach Angaben des Unternehmens sind die Bewertungen vieler Büroimmobilien seit ihren Höchstständen erheblich zurückgegangen und könnten sich einer neuen Marktphase nähern.


Dennoch bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Auch meine Gesprächspartner erwarten keine kurzfristige Rückkehr zu den Marktbedingungen vergangener Jahre. Vielmehr wird es darauf ankommen, Finanzierungen weiter zu optimieren, Objekte sorgfältig auszuwählen und Chancen mit Augenmaß zu nutzen.


Positiv bewertet wurde zudem die insgesamt robuste Verfassung der US-Wirtschaft. Im internationalen Vergleich ist die Arbeitslosenquote weiterhin niedrig und der private Konsum bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Diese Faktoren schaffen grundsätzlich ein solides wirtschaftliches Umfeld, auch wenn sie die Herausforderungen am Immobilienmarkt nicht vollständig aufheben.


Meine persönliche Einschätzung hat sich durch die Gespräche nicht grundlegend verändert. Sie haben mich jedoch darin bestätigt, Entwicklungen differenziert zu betrachten und weder Euphorie noch Pessimismus zum Maßstab einer Anlageentscheidung zu machen.


Skyline von Jacksonville in Florida – moderne Bürogebäude und Infrastruktur als Beispiel für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA.
Skyline von Jacksonville in Florida

Der persönliche Austausch macht den Unterschied

Mindestens genauso wertvoll wie die offiziellen Gespräche waren die zahlreichen Begegnungen mit Menschen vor Ort. Ich habe mich mit Gastgebern, Unternehmern und Einheimischen unterhalten. Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Überzeugungen und Lebensrealitäten. Was mich dabei besonders beeindruckt hat, war weniger der Inhalt der Diskussionen als die Offenheit, mit der sie geführt wurden. Diese Gespräche haben mir erneut gezeigt, wie wichtig es ist, sich ein eigenes Bild zu machen. Denn die Realität ist fast immer differenzierter als das Bild, das durch einzelne Schlagzeilen entsteht.


Was bedeutet das für meine Kunden?

Die Reise hat meine Überzeugung einmal mehr bestätigt: Gute Finanzberatung entsteht nicht allein am Schreibtisch. Marktberichte, Kennzahlen und Analysen sind unverzichtbar. Genauso wichtig ist jedoch die Fähigkeit, Entwicklungen einzuordnen und sie in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Genau deshalb investiere ich regelmäßig Zeit in persönliche Gespräche, Besuche vor Ort und den direkten Austausch mit Marktteilnehmern. Nicht, weil dadurch Risiken verschwinden. Sondern weil fundierte Entscheidungen auf möglichst vielen belastbaren Informationen beruhen sollten.


Fazit

Drei Wochen in den USA haben mich erneut darin bestätigt, wie wertvoll der Blick hinter die Schlagzeilen ist. Ja, es gibt Herausforderungen am Immobilienmarkt, ebenso wie in anderen Wirtschaftsbereichen. Gleichzeitig habe ich Regionen erlebt, die von Innovationskraft, wirtschaftlicher Dynamik und langfristigen Entwicklungen geprägt sind.


Für mich war diese Reise deshalb weit mehr als ein Ortswechsel. Sie war eine Gelegenheit, Märkte besser zu verstehen, Gespräche zu führen und Eindrücke zu sammeln, die keine Statistik ersetzen kann.


Denn ich bin überzeugt: Eine fundierte Beratung entsteht nicht nur durch Zahlen und Analysen, sondern auch durch persönliche Eindrücke und den direkten Austausch vor Ort.

 
 
 

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